Nachhaltigkeit als Traditionspflege

Zuhören bei Klaus Graber vom Naturtreff Eisvogel

Wer glaubt, zu wissen, wie Ahorn oder Weide aussehen, kann sich bei der Aussichtsplattform über den Ahrauen überraschen lassen. Dort haben Aktive rund um den Naturtreff Eisvogel eine ehemalige Mülldeponie mit einheimischen Bäumen und Sträuchern bepflanzt.

Ich habe zum Beispiel die Vielfalt an Weidenarten noch gar nicht gekannt (40), als ich dort eine kurze Führung bekommen habe, und sehr über die Vielfalt an Bäumen mit ihren eigenartigen Blattformen gestaunt.

So wie bei der Aussichtsplattform wurde an vielen Stellen die Ahr renaturiert und die Artenvielfalt gefördert. Mit solchen Aktionen hilft der Naturtreff Eisvogel, die Landschaft im Pustertal Stückchen für Stückchen an die Natur zurück zu geben.

Klaus Graber ist der Vorsitzende und ganz offensichtlich auch die treibende Kraft hinter dem Verein.

Er erzählt, dass der Eisvogel als Verein zur Naturbeobachtung gegründet worden ist, dass sich daraus aber ganz schnell auch das Bedürfnis entwickelt hat, die Natur zu bewahren.

Durch's Beobachten kommt man darauf, dass die Vielfalt der Natur in den letzten Jahren immer weniger geworden ist. Erschreckend weniger.

Klaus ist zuversichtlich, dass sich gerade im Pustertal schon ein starkes Bewusstsein entwickelt hat, dass wir mehr auf die Natur achten müssen. Neben Biotopen und Artenschutz sieht er in der Landwirtschaft sehr großen Handlungsbedarf und tolle Möglichkeiten. Im Zentrum steht für ihn die Wertschätzung für regionale landwirtschaftliche Produkte.

Es kann nur eine bunte Wiese geben, wenn der Bauer für seine Milch etwas mehr bekommt.

Zu viel Gülle ist der Grund, weshalb auf den Wiesen fast nichts mehr blüht. Wenn wir weniger Tiere halten würden, müssten wir nicht so oft Gülle ausbringen oder könnten manche Wiesen mit der Gülle komplett in Ruhe lassen. Klaus sagt, wenn wir bereit wären, mehr Geld für die Milch zu zahlen, könnte es sich ein Landwirt zum Beispiel erlauben, nur noch 50 Kühe anstatt 100 zu halten. So würde er Spielraum bekommen, um respektvoller mit der Natur umzugehen.

Klaus geht noch weiter in seiner Wertschätzung der regionalen landwirtschaftlichen Produkte. Für ihn gehört es nicht nur zur nachhaltigen Ernährung dazu, beim Bauern um die Ecke einzukaufen, sondern auch ins Dorf-Gasthaus zu gehen und traditionelle einheimische Gerichte zu essen.

Jetzt muss ich zugeben:
Für mich geht nachhaltiges Essen so, dass ich eine Dose Kokosmilch kaufe und Gemüse mit exotischen Gewürzen darin koche. Einheimische Küche verbinde ich mit sehr viel Fleisch, also Umweltbelastung.

Klaus sieht das ganz anders.

Wenn man die alte Küche von früher betrachtet, da hat es maximal ein Mal die Woche und an Feiertagen Fleisch gegeben.

Die traditionelle Südtiroler Küche sei voller toller vegetarischer Gerichte: Schmarrn, Nocken, die ganze Paletten an Knödeln, und alles Mögliche, das sich aus Erdäpfeln, Polenta, Wildfrüchten und Pilzen machen lässt, oder aus einheimischem Obst und Gemüse.

Das Tolle sei auch, dass traditionell alle Stücke vom Tier gegessen worden seien und nicht nur die Edelstücke, die wir heutzutage beim Metzger kaufen.

Eine weitere Möglichkeit, regional zu essen, ist natürlich, Sachen im eigenen Garten anzubauen. Spätestens hier ist mir klar, dass die Wertschätzung für regionales Essen auch mit sehr viel Arbeit verbunden sein kann. Dem stimmt Klaus zu. Er findet es tatsächlich nötig, dass wir alle ein bisschen verzichten. Sei es auf's Reisen, um dem Klima zu helfen, oder auf's Fernsehen, um mehr Zeit für den Garten zu haben.

Essen im eigenen Garten wachsen zu lassen wäre aber auch eine wunderbare Gelegenheit, um soziale Kontakte zu pflegen. Meistens erntet man viel zu viel, wenn man erntet. Dann muss man tauschen oder verschenken. In einigen Dörfern scheint es richtige Tauschbörsen für selber gezogene Pflanzen zu geben.

Also:
DU SOLLST
es unterstützen, wenn in deiner Nähe Biotope eingerichtet und erhalten werden.
DU SOLLST die regionale Landwirtschaft wertschätzen.
DU SOLLST deinem Essen mehr Zeit widmen und es zum Beispiel selber anbauen.

Mehr Infos zum Naturtreff Eisvogel unter www.eisvogel.it.

© Klaus Graber